Das letzte Stück Wüste – Von Tehachapi nach Kennedy Meadows (Meile 566 bis 702)

Unsere Rucksäcke sind so schwer wie noch nie, als wir Tehachapi verlassen. Neben dem Essen für sieben volle Tage müssen wir noch fünf Liter Wasser pro Person den Berg aus Tehachapi rausschleppen. Da wir schon zwölf Meilen in die Stadt hineingelaufen sind, machen wir nach drei Meilen Camp. Es ist extrem windig, doch da wir beide geschafft vom Tag sind, beschließen wir hinter einem prächtiger Joshua-Tree die Nacht zu verbringen. Nachdem ein Skorpion schutzsuchend zu uns ins Nest krabbelt, sind wir plötzlich vom Cowboy-Campen gar nicht mehr so angetan und schlagen doch noch unser Zelt auf. Am nächsten Morgen wachen wir unter einer dicken Schicht Staub auf, die ein richtiger Sandsturm auf uns hinterlassen hat, und kämpfen uns im Sturm den rest des Berges hoch.
Einige Stunden später treffen wir an der Wasserquelle altbekannte Gesichter. Unter anderem Rick, Kevin (welcher inzwischen als „Valley Girl“ bekannt ist, vermutlich weil er sich einen Rock zugelegt hat) und Donny. Die drei haben eine lustige Truppe von insgesamt 8 Mann gebildet, mit welcher wir am Abend zelten. Darunter Joe-Dirt, ein Geologe, welcher sofort intensiv von Frederik ins Kreuzverhör genommen wird. So wird unsere Vermutung bestätigt, dass die Sierra Nevada ähnlich wie die Alpen durch das Verschieben der Pazifikplatte unter die nordamerikanische Platte vor 70 Millionen Jahren entstanden ist. Geologisch befinden wir uns wohl bereits schon in der Sierra,was Joe-Dirt an den Biokristallen in den Steinen um uns herum erkennt, welche unter dem hohen Druck zwischen den Platten entstanden sind.
Da wir möglichst schnell nach Kennedy Meadows kommen wollen, lassen wir schweren Herzens die Truppe mit dem Versprechen hinter uns, ihnen einen Campingspot in KM zu reservieren. Die letzte Wüstenetappe hat es nochmal in sich. Die Sonne brutzelt und den einzigen Schatten bieten vereinzelte Joshua Trees. Die Hitze macht uns zu schaffen und unter diesen Umständen sind wir relativ unbeeindruckt als wir feststellen, dass wir pro Person um die 9 Liter Wasser pro Tag trinken. Dummerweise sind die Wasserquellen selten und weit auseinander. Um einen sehr langen Abschnitt zu verkürzen, müssen wir off Trail gehen. Eine Quelle ist ca. 2 Meilen vom Trail entfernt, der Weg dahin führt aber durch einen sehr engen Canyon, in dem man über Meter hohe Felsbrocken klettern muss. Mit den Rucksäcken keine leichte Aufgabe. Zu Guter letzt ist die Quelle auch noch eingezäunt. Um den Zaun zu überwinden greifen wir auf eine alt bewährte Technik zurück: Wir werfen die Rucksäcke über den Zaun und rollen uns selbst drunter durch. Dreckiger können wir ja eh nicht mehr werden. Wir füllen also alle unsere Wasserkapazitäten auf und wandern wieder zurück zum Trail.
Nach vier Tagen durch die Wüste kommen wir zum Walker Pass. Eine Passstraße führt nach Lake Isabella und während die Versuchung groß ist einmal kurz in die Stadt zu hüpfen, um was richtiges zu essen, gehen wir weiter. KM ist schließlich nur noch drei Tage entfernt!
Der Trail beginnt nach oben zu führen. Wir erreichen die 2000 Meter Grenze, während um uns herum die Landschaft langsam Grüner wird. Wir sehen unseren ersten Laubbaum seit 150 Meilen. Es ist sehr bergig und der Trail muss immer wieder hinunter in die Täler klettern, um an Wasserquellen zu kommen, nur um danach wieder hoch über nächsten Kamm zu steigen.
Am morgen bevor wir Kennedy Meadows erreichen, sehen wir in der Ferne die ersten schneebedeckten Berge der Sierra Nevada aufragen.
Die Stimmung ist gehoben, alle spüren, das wir einen Meilenstein auf unserem Weg erreicht haben. Wir wissen zwar nicht, was in diesem Rekord Schneejahr auf uns zu kommt, aber nachdem wir über 1000 kilometer von trockener Wüste hinter uns haben, freuen wir uns auf das schneeige Abenteuer vor uns.
Die letzten 19 Meilen nach Kennedy Meadows vergehen wie im Fluge und als wir beim General Store einlaufen (Kennedy Meadows hat nur einen Store und ein Restaurant, beides lebt im Grunde nur von den PCT Hikern), werden wir mit Applaus von den anderen Hikern, die alle mit einem gekühlten Bier auf der Veranda sitzen, begrüßt. Es ist viel los hier: Hinter dem General Store stehen bestimmt 30 Zelte, die fünf Dixi-Klos sind rand voll. Überall sieht man Hiker, die riesige Resupply Pakete auspacken und ihre Schneeausrüstung anprobieren. Wie setzen uns mit einem großen Becher Eis an einen Tisch, mit der einzigen anderen Hikerin, die wir kennen, und strecken erstmal die Beine aus. Das einzige, was wir heute noch machen müssen, ist, die neu eintreffenden Hiker mit Jubelrufen und lautem Klatschen zu begrüßen.
Wir schließen schnell neue Bekanntschaften, während wir am Abend im Restaurant Pizza essen. So gut wie alle Hiker gehen dort Essen und tatsächlich ist das Restaurant am nächstem Abend geschlossen, weil sie einfach kein Essen mehr haben. Neue Lebensmittel anzuschaffen dauert anscheinend eine ganze Weile, schließlich ist KM in der Mitte vom Nirgendwo.
Später am Abend findet noch Yard Sale seinen Weg zum Restaurant, eine alter Freund aus Hikertown. Er erzählt uns, dass er leider nicht mehr weiter Wandern kann, weil er kein Geld mehr hat. Da er aber eine von diesen Personen ist, die ständig lachen, scheint er nicht ganz so traurig darüber zu sein.
Am nächsten Tag kommen noch Spiker und Andrew und wir verbringen unseren Zero Day mit wohltuendem Nichtstun.
Um Eisäxte, Bear Canister und Resupply werden wir uns am nächsten Tag kümmern.

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1 Reaktion

  1. Tante sagt:

    Absolut phantastisch …. viel Glück weiterhin

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