Niki's Erfahrungen auf dem CT - Auf Deutsch

Der Colorado Trail (CT) ist ein 485 Meilen oder 780 km langer Wanderweg, der den US-Bundesstaat Colorado durchquert. Er startet in den Ausläufern von Denver, der Hauptstadt von Colorado, gelegen im Nordosten des Staates, und endet in Durango im Südwesten von Colorado. Dabei schlängelt er sich durch das Herz der Rocky Mountains und geht direkt an mehreren der höchsten Gipfel der kontinentalen Vereinigten Staaten vorbei. Über 370 km teilt der CT sich den Weg mit dem Continental Divide Trail (CDT). Der Colorado Trail ist ein echter Hochgebirgspfad mit atemberaubenden Blicken, wunderschönen Wildblumen und unberührter Natur. Ich selber bin den gesamten Trail im Sommer 2015 gelaufen und dieser Guide wird größtenteils auf meinen Erfahrungen beruhen.

Zunächst ein paar Fakten über den Colorado Trail:

  • Länge: 780 km / 485 Meilen
  • Startpunkt: Waterton Canyon, Denver, Colorado, USA
  • Endpunkt: Durango, Colorado, USA
  • Höchster Punkt: 4045 m
  • Ein Großteil des Trails befindet sich über 3000 m
  • Wanderzeit für den kompletten Trail: 4 – 6 Wochen
  • Jahreszeit: ca. Juni bis September, abhängig von der Schneelage
  • Gut beschildert
  • Mountain Bikes und leider auch Motorcross sind außerhalb der ‚Wilderness Areas‘ erlaubt
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Richtung:

Wie oben angedeutet ist der Startpunkt für die meisten Wanderer, die den kompletten Trail an einem Stück laufen wollen (sogenannte ‚thruhiker‘ oder ‚thru-hiker‘), Denver. Auch die offizielle ‚Colorado Trail Foundation‘ empfiehlt diese Richtung, da im östlichen Teil aufgrund der niedrigeren Lage der Schnee früher abschmilzt und man sich außerdem so besser an die dünne Höhenluft akklimatisieren kann.

Jahreszeit:

Aufgrund der hohen Lage ist die Jahreszeit, in der der Colorado Trail begangen werden kann, sehr knapp bemessen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass bis in den Juni hinein noch Schnee in den höheren Lagen liegen bleibt. Genauso kann es passieren, dass schon Ende September der Winter wieder in den Bergen einzieht.

Dauer:

Die allermeisten thruhiker benötigen zwischen 4 und 6 Wochen, um den gesamten Trail zu laufen. Ich selbst habe genau 5 Wochen gebraucht, befand mich also im Durchschnitt. Die schnellste bekannte Zeit für einen auf sich allein gestellten thruhike beträgt 9 Tage und 12 Stunden (https://www.youtube.com/watch?v=Vk6CrWJdRto).

Wie komme ich zum Trail und wie wieder zurück?

Vor allem für nicht amerikanische Wanderer ist die Frage, wie man am besten zum Trail gelangt, interessant. Denver hat einen internationalen Flughafen (DEN), der sich für den Hinflug eignet. Vom Flughafen gibt es einen Shuttle-Bus in die Innenstadt von Denver. Für die meisten Leute wird es günstig sein, sich in Denver ein Hotel oder Hostel für ein oder zwei Nächte zu nehmen. Das gibt Zeit, letzte noch fehlende Ausrüstungsgegenstände zu kaufen. Denver hat als Millionenstadt alles, was ein Wanderer benötigen könnte, unter anderem ein sehr großes ‚REI‘, die wohl größte Kette von Outdoorläden in Amerika, vergleichbar mit ‚Globetrotter‘ in Deutschland. Neben Ausrüstung kauft man in Denver die Verpflegung für die erste Etappe des Trails.
Von der Innenstadt geht es am besten weiter mit der Straßenbahn zur Station ‚Littleton / Mineral Station‘. Von dort bietet es sich an ein Taxi zum Trailhead nehmen (Waterton Canyon Trailhead, 11300 Waterton Road, Littleton, CO 80125).
Wie man am Ende des Trails von Durango wieder zurück nach Deutschland kommt, ist etwas schwieriger. Der Trail selbst hört kurz vor Durango auf. Es ist aber relativ leicht, am Trailhead jemanden zu finden, der einen mit nach Durango nimmt. Ansonsten kann man sich ein Taxi rufen oder das letzte Stück in die Stadt zu Fuß zurücklegen. Durango hat zwar einen Flughafen, der ist aber relativ klein und wird nicht von vielen Airlines angeflogen. Daher ist die billigere Alternative, die auch ich genommen habe, von Durango den Greyhound Bus zurück nach Denver zu nehmen und dann von dort wieder nach Deutschland zu fliegen.
Zwischen meinem Hin- und Rückflug nach und von Denver lagen genau 6 Wochen. Das war für mich genügend Zeit, den Trail zu beenden und danach noch einige Tage in Denver zu verbringen.

Verpflegung auf dem Trail:

Da es so gut wie unmöglich ist, genügend Essen für 4 Wochen mitzunehmen, muss man alle paar Tage den Trail verlassen, um in einer hoffentlich nahegelegenen Stadt neue Verpflegung zu kaufen. Dies kann auf dem CT ein wenig trickreich sein. Manchmal  führt der Trail direkt durch eine Stadt oder ein Dorf durch, manchmal muss man von einem Highway aus zur nächstgelegenen Stadt trampen. Wo genau man sich mit Proviant eindeckt, erfordert vorausschauende und genaue Planung. Hier sei einem das ‚Colorado Trail Databook‘ von der Colorado Trail Foundation wärmstens ans Herz gelegt. Dort findet man eine Auflistung der einzelnen Städte, wie man dorthin kommt und welche Art von Läden und Unterkünfte man dort findet.
Ich selbst habe unterwegs sechs Mal an folgenden Orten einkauft:

  • Denver, km 0
  • Breckenridge, km 167
  • Twin Lakes Village, km 281
  • Salida, km 405
  • Lake City, km 574
  • Silverton, km 659

Nach Salida, Lake City und Silverton musste ich jeweils trampen. Dies ist in Colorado aber relativ einfach. Man stellt sich an einer gut sichtbaren Stelle am Straßenrand auf und hält den Daumen raus. Am besten ist es, wenn Rucksack und Trekkingstöcke von weitem zu erkennen sind, so weist man sich gleich als ein Wanderer aus, an die die Einwohner von Colorado gewöhnt sind.
Da ich mit meinem Rückflug nicht im Stress war, und die Erholung gut gebrauchen konnte, habe ich an jedem Ort (außer Twin Lakes Village) immer gleich zwei Nächte in einem Hostel verbracht und einen sogenannten ‚zero day‘, also ‚Nulltag‘ gemacht. Dies bedeutet, dass man an dem Tag nicht wandert, also ‚zero‘ Kilometer läuft.
Manche Leute schicken sich im Voraus an die Postämter in den Städten Pakete mit Verpflegung für den jeweils nächsten Trail Abschnitt. Das Ziel ist, in der Stadt Zeit und Geld zu sparen, da man nicht in den manchmal etwas überteuerten und vermeintlich schlecht ausgestatteten Läden einkaufen muss. Dies ist meiner Meinung nicht nötig. Selbst in dem winzigen Dorfladen von Twin Lakes Village fand sich eine genügend breite Auswahl an Essen, so dass ich nichts vermisst habe. Zudem muss man bedenken, dass das Pakete schicken auch Geld kostet. Sofern man also keine ganz speziellen Essenssachen braucht oder haben will, ist es zumal für einen internationalen Hiker deutlich einfacher, direkt in den Dörfern und Städten auf dem Weg einzukaufen. Ein weiteres Phänomen sind die sogenannten ‚hikerboxes‘. Diese lassen sich meistens in den Hostels finden und sind voll mit Verpflegung von Leuten, die sich aus übertriebener Vorsicht zu viel Essen geschickt haben und das, was sie nicht brauchen, in den hikerboxes lassen, damit sich andere daraus bedienen können.

Wasser findet sich meistens relativ problemlos am Trail in Flüssen, Bächen und Seen. Es ist jedoch davon abzuraten, dieses unbehandelt zu trinken. Vieh und sonstige Tiere können selbst klar aussehende Bäche verunreinigt haben. Man sollte alles Wasser, was man zu sich nimmt, gekocht, gefiltert oder chemisch behandelt haben. Wo genau man Wasser findet, ist sehr zuverlässig im ‚Colorado Trail Databook‘ aufgelistet.

Navigation:

Die Navigation auf dem Trail ist einfach. Der Trail ist gut ausgeschildert und einfach zu folgen. Trotzdem empfiehlt es sich, zumindest eine Karte mitzunehmen. Die Colorado Trail Foundation bietet verschiedene Karten und Guidebooks an.
Ich selber hatte zur Vorbereitung zu Hause das ‚Colorado Trail Guidebook‘ und auf dem Trail das ‚Colorado Trail Databook‘ dabei. Das ‚Databook‘ hat mir sowie den meisten anderen Wanderern auf dem Trail völlig ausgereicht. Es hat für jede Etappe Karte und Höhenprofil sowie die einzelnen Wegpunkte aufgelistet. Einen kleinen Kompass, den ich zusätzlich dabei hatte, habe ich nie benutzt.

Ausrüstung:

Hier sei auf unsere Gearliste verwiesen, die wir für den PCT verwenden. Dies ist mehr oder weniger das, was ich 2015 in Colorado dabei hatte und auch noch einmal mitnehmen würde. Dennoch will noch auf einige Besonderheiten des CT eingehen:
Der Colorado Trail führt durch Hochgebirge. Das bedeutet, dass man extremen Wetterlagen ausgesetzt wird, auf die man sich vorbereiten muss.

  • Wegen der starken UV-Strahlung im Gebirge ist ein Sonnenhut zu empfehlen. Ein Sonnenschirm ist nicht vonnöten.
  • In Colorado kann sich das Wetter innerhalb von wenigen Minuten ändern. Vor allem heftige Nachmittagsgewitter können schnell und unerwartet aufziehen. Regenjacke und Regenhose sind fast zwingend benötigt.
  • In Colorado und auch auf dem CT gibt es Schwarzbären. Viele Wanderer hängen deshalb in der Nacht ihr Essen abseits von ihrer Campite in den Bäumen auf. Es ist ein wenig umstritten, ob dies tatsächlich nötig ist. Meiner Erfahrung nach haben ca. 60 – 70 % der Wanderer, die ich getroffen habe, einen ‚bear hang‘ gemacht. Ich habe aber auch viele sehr erfahrene thru-hiker getroffen, die ihr Essen einfach mit ins Zelt genommen haben. Ich selber habe mein Essen in den meisten Nächten in einen Baum gehangen. Falls man sich dazu entscheidet, kein Risiko einzugehen und einen bear hang zu machen, benötigt man ca. 15 m Seil, einen Karabiner und einen 12 – 15 L großen Sack, der stabil genug ist, dass er das Essen auch halten kann. Eine Anleitung für einen bear hang findet ihr beispielsweise hier (englisch).
  • In euren Rucksack sollte neben der Ausrüstung Essen für ca. 7 Tage passen. Ein Volumen von 60 L sollte für die meisten Personen ausreichen. Falls sich eure Ausrüstung schon dem ultralight Bereich annähert, können auch 40 – 50 L Volumen genug sein.
  • Je nachdem in welcher Höhe man sein Camp aufschlägt, kann es in der Nacht sehr kalt werden. Bei meinem Thruhike im Juli waren nächtliche Temperaturen um die 0° Celsius keine Seltenheit. Nehmt also einen Schlafsack mit, der warm genug ist. Mein Schlafsack damals hatte einen Extremwert von 0° Celsius und ich hätte mir an manchen Nächten einen wärmeren gewünscht!
  • Wie schon erwähnt, muss das Trinkwasser gefiltert werden. Ich hatte einen Sawyer Mini dabei. Der hat zwar schädliche Bakterien und Viren zuverlässig rausgefiltert, jedoch hat er eine sehr langsame Durchflussrate und verstopft schnell. Aus diesem Grund empfehle ich den etwas schwereren Sawyer Squeeze, der diese Probleme nicht hat! Eine weitere beliebte Aufbereitungsmethode waren die Aqua Mira Tropfen.
  • Bei der Wahl des shelters oder Zeltes würde ich auf ausreichenden Mückenschutz achten. Nehmt ein Mosquitonetz mit, falls euer shelter kein Innenzelt hat.
  • Der Colorado Trail hat viel Steigung und viel Gefälle. Insgesamt legt ein thruhiker ca. 27.000 Höhenmeter zurück. Da das insbesondere für die Knie eine große Belastung ist, sind Trekkingstöcke sehr hilfreich, um den Körper zu entlasten.
  • Trotz des Hochgebirgscharakters des Trails sind meiner Meinung keine Wanderstiefel nötig. Insbesondere wenn man bereits ein leichtes baseweight hat, reichen niedrige und vor allem leichtere Trailrunners oder Wanderschuhe völlig aus. Der Trail wird von der Colorado Trail Foundation sehr gut in Schuss gehalten, die Gefahr des Umknickens ist gering.
Einreise in die USA

Deutsche Staatsbürger dürfen in die USA visumfrei einreisen, falls sie weniger als 90 Tage dortbleiben. Voraussetzung ist unter anderem ein gültiger Reisepass und eine elektronische Einreiseerlaubnis (ESTA).  Falls man nur den Colorado Trail durchwandern will, sind 90 Tage mehr als genug. Wer mehr vorhat, sollte sich über ein Touristenvisum informieren. Generell sei hier auf die Seite des Auswärtigen Amtes verwiesen.
Englischkenntnisse sind auch für einen so auf die Natur fokussierten Trip wie den CT empfehlenswert, insbesondere um Kontakte zu den anderen thruhiker zu knüpfen.

Peak Bagging

In Colorado ist das ‚peak bagging‘ ein beliebter Sport. Gemeint ist damit das Besteigen der höchsten Gipfel in Colorado. Besonders beliebt sind die 58 ‚14,000er‘, also jene 58 Berge die über 14.000 ft (4267 m) hoch sind. Der Colorado Trail geht an mehreren dieser 14,000er vorbei und manche lassen sich relativ einfach als Seitentrip ‚baggen‘, also ‚einsacken‘. Besonders dicht am Trail sind die beiden höchsten Berge in Colorado: der Mt. Massive und der Mt. Elbert. San Luis Peak liegt nur 1,5 Meilen vom Trail entfernt. Seitenabstecher zumindest zu diesen drei Gipfeln sind es auf jeden Fall wert. Auf meinem thruhike habe ich die drei genannten Gipfel ‚eingesackt‘ und mich am Ende geärgert, dass ich nicht noch auf weiteren 14,000er war. Das Colorado Trail Guidebook beschreibt noch andere vom Trail gut zu erreichende Gipfel.

Weitere nützliche Informationsquellen

Website der Colorado Trail Foundation – http://www.coloradotrail.org/

Guide für den Colorado Trail von PMags – http://www.pmags.com/colorado-trail-end-to-end-guide-2

Das offizielle Colorado Trail Guidebook – https://www.amazon.de/Colorado-Trail-Mountain-Club-Guidebooks/dp/1937052338/ref=sr_1_1?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1490628947&sr=1-1&keywords=colorado+trail+guidebook

Das offizielle Colorado Trail Databook – https://www.amazon.de/Colorado-Trail-Databook-Mountain-Guide/dp/1937052257/ref=sr_1_1?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1490635041&sr=1-1&keywords=colorado+trail+databook

Wikipedia Eintrag – https://en.wikipedia.org/wiki/Colorado_Trail

Colorado Trail Hiker App von Guthooks auf iOS und Android – https://itunes.apple.com/de/app/the-colorado-trail-hiker/id892773591?mt=8 und https://play.google.com/store/apps/details?id=com.highsierraattitude.cthiker

Whiteblaze Forum – https://whiteblaze.net/forum/forumdisplay.php/420-Colorado-Trail