Motel und Stadtwald – Von Sonora Pass nach Sierra City (Meile 1016 bis 1195)

Vom Sonora Pass hitchen wir nach Walker. Als wir dort gegen 17:00 ankommen, sind wir extrem hungrig. Die ganzen 20 Meilen hatten wir nur noch eine Scheibe Brot und etwas Peanut Butter zum Essen. Das erste, was wir also machen, ist, zum Walker Burger zu gehen und zweimal den Burger mit den meisten Kalorien zu bestellen. Walker Burger ist ein sehr kleiner Burger-Stand mit Western-Fassade und hervorragenden Burgern und noch besseren Milkshakes.
Da es in dem kleinen, etwas verschlafenem Örtchen keinen Campingplatz gibt, treiben wir einen gemütlichen Motelraum auf.
Den nächsten Tag verbringen wir fast die ganze Zeit wieder bei Walker Burger, bevor wir am Nachmittag zurück zum Trail hitchen. Wir laufen nur eine Meile, bevor wir auf einem kleinen Hügel einen schönen Campspot entdecken und dort den Sonnenuntergang genießen.
Am nächsten Morgen entdecken wir etwas ungewöhnliches. Der Himmel ist von dunklen Wolken bedeckt, anstatt wie sonst von einem tiefem Blau durchdrungen zu sein. Bis zum frühen Nachmittag hält das Wetter, dann geht das Gewitter los. Es ist das erste Mal auf dem PCT, dass es tatsächlich auf uns regnet. Wir hatten zweimal Schnee aber noch keinen Regen. So kommen zumindest unserer Regenjacken auch mal für zwei Stunden zum Einsatz, bevor am frühen Abend wieder etwas die Sonne zum Vorschein kommt. Unsere App sagt uns, dass es in einem Tal an einem See und einer kleinen Quelle eine schöne Campsite geben soll. Als wir gegen 18:00 da ankommen, stellt sich diese aber als überflutet heraus. In dem kleine Wäldchen liegt noch ziemlich viel Schnee und der Boden ist vom Regen und vom Schmelzwasser relativ nass. Zum Glück finden wir nicht weit weg ein halbwegs trockenes schmales Plätzchen, das gerade breit genug für unser Zelt ist. Um uns ein bisschen zu trocknen, machen wir noch ein kleines Campfeuer bevor ins Zelt kriechen.
Die nächsten zwei Tage nach South Lake Tahoe vergehen relativ ereignislos. Es sind immer noch nicht sehr viele Leite unterwegs. Dafür können ungestört in einem großen Bergsee baden, den wir ganz für uns alleine haben.
Erst am Tag vor Tahoe sehen wir plötzlich Scharen von Menschen. Dieser sehr touristische Ort am großen Lake Tahoe ist ein Touristenmagnet und auch die Berge drumherum sind voll mit Tageswanderern oder ‚Daywalker‘, wie wir sie etwas abfällig nennen.
Immerhin kriegen wir einen schnellen Hitch in die Stadt. Ein junges Pärchen in einem alten umgebauten VW Bus nimmt uns mit. In South Lake Tahoe streben wir zielstrebig den Supermarkt an und kaufen ein ganzen Grillhähnchen, ein Baguette und einen Familienbecher Eiscreme. So gesättigt begeben wir uns dann in das lokale Starbucks, um dort das freie Wlan-Netz anzuzapfen. Die einzige Frage, die bleibt, ist, wo wir übernachten. Ein teures Motel können wir uns nach Walker nicht mehr leisten. Wir haben also die Wahl zwischen dem Supermarktparkplatz und dem Wäldchen vor der Stadt. Besorgt um eine gute Mütze Schlaf, entscheiden wir uns dazu, noch den Kilometer in den Wald zu laufen und dort zu zelten.
Am nächsten Tag verlassen wir die Stadt uns begeben uns wieder auf den Trail und in die Desolation Wilderness. Diese ist durchsetzt mit vielen wunderschönen und kristallklaren Bergseen. Leider liegt hier noch so viel Schnee, dass circa die Hälfte des Trails bedeckt ist. Die Fußstapfen der vielen Daywalker machen die Orientierung aber einfacher. Auf einem niedrigeren Pass finden wir einen klasse Campingspot. Geschützt durch ein paar Bäume und mit einem Superblick über die im Abendlicht roten Bergseen machen wir mal wieder ein Cowboy-Camp. Hier oben gibts ja keine Mücken und der Wind ist auch nicht zu kalt.
Der Trail verläuft jetzt auf vielen schönen Bergkämmen, von denen aus man im Westen immer Lake Tahoe im Blick hat. Nur ab und zu müssen wir noch Schneefelder kreuzen und wir können gut Strecke zurücklegen. Am Abend campen wir wieder hoch oben auf einem dieser Bergkämme, bevor wir am nächsten Morgen ein Skigebiet durchqueren müssen. Hier sind die Lifte zum Glück aus und wir müssen keinen Skifahrern ausweichen. Fast wären wir einen Liftmast hochgeklettert, um von dort oben beim Frühstück den Blick auf Lake Tahoe zu genießen, an dessen nördlichen Ende wir nun endlich angekommen sind.
Früh am nächsten Morgen erreichen wir Donner Pass. Hier führt der große Highway 80 durch die Berge, den wir durch einen kleinen Hikertunnel unterqueren. Auf dem Parkplatz für die Autofahrer gibt es einen Kaffeeautomaten und so haben wir für unser Frühstück sogar einen 1.25$-Coffee. Jetzt sind es nur noch 40 Meilen nach Sierra City, also anderthalb Tage mit unserem 25 Meilen / Tag Tempo. Am Abend treffen wir Cooper, den wir das letzte mal in Kennedy Meadows gesehen haben. Er ist wegen dem vielen Schnee von dort bis nach Ashland (Meile 1716) im südlichen Oregon gehüpft und von da dann südwärts gelaufen. So gibt es ein großes Hallo als er uns entgegen kommt. Wir tauschen uns über die letzten vier Wochen aus, bevor wir wieder in andere Richtungen weiterlaufen. Am nächsten Tag kommen wir mittags hungrig in Sierra City an. Ab hier dann so gut wie schneefrei, wie uns Cooper berichtet hat.

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1 Reaktion

  1. Susanne sagt:

    Habt Ihr eigentlich vor, es zum 21. August nach Nord Oregon zu schaffen zur Sonnenfinsternis oder dahin zurückzukehren, wenn Ihr schon darüber hinaus seit? Hatte selbst überlegt, dafür und für den Besuch von Freunden für eine Woche dort hin zu fliegen.

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