Oh wie schön ist Oregon! – Von Burney, Ca nach Ashland, Or (Meile 1408 bis 1716)

Vor dem Grocery Store in Burney, wo wir gerade jeder einen 1,4L Eiscreme-Eimer gekauft haben, treffen wir Annika und Julian. Die beiden haben sich für die Nacht einen billigen Motelraum gegönnt und als sie hören, dass wir gleich wieder auf den Trail wollen, laden sie uns direkt für eine Dusche und Wlan in ihr Zimmer ein. So ein Angebot lässt sich natürlich nur schwer ablehnen und wir verbringen fast den gesamten Nachmittag im angenehm klimatisierten Motelraum.
Der Hitch raus aus Burney geht schnell und ein sehr nettes Ehepaar fährt uns direkt zu den berühmten Burney Falls. Hier kommt ein ca. 20 m breiter Wasserfall mitten aus einer Steinwand heraus und stürzt sich in einen kleinen See. Ein unterirdischer Fluss wird hier an die Oberfläche gedrückt und so wurde dieses beeindruckende Naturschauspiel, das schon den Ureinwohnern heilig war, zu einem State Park. Nachdem wir den Wasserfall also zu genüge betrachtet haben, geht’s noch eine halbe Meile weiter, bevor wir einen geeigneten Zeltplatz finden.
Die nächsten vier Tage bis zum Städchen Mt Shasta, unserem nächsten Resupply-Stopp, haben wir den magischen Berg Mt Shasta immer im Blick. Wir laufen täglich ca. 26 Meilen (42km) und kommen so relativ flott voran. Die meiste Zeit führt der Trail oben auf Bergkämmen entlang, von denen man schöne Blicke zu beiden Seiten hat. Die Berge werden langsam wieder kahler, schroffer und naja, bergiger.
In Mt Shasta machen wir einen schnellen Resupply, essen im Black Bear Diner eine große Portion Pfannkuchen und hüpfen direkt wieder zurück auf den Trail, um noch ein paar Meilchen mehr zu machen. Wir schlagen unser Zelt etwas versteckt auf einem kleinen Bergkamm abseits des Trails auf. Von hier können wir wunderbar den Sonnenuntergang über den Trinity Alps, die wir jetzt betreten haben, betrachten. Tatsächlich erinnert das Gebirge, das wir nun durchqueren, an die europäischen Alpen. Besonders genießen wir die vielen sehr klaren Bergseen, die zum Schwimmen einladen.
Unsere Wander-Routine wird nur am ersten Tag von Trailmagic unterbrochen: die Eltern eines anderen Hikers verteilen Sandwiches und Früchte an einer Straßenkreuzung. Besonders schön sind die vielen klaren und eiskalten Bergquellen, die sich alle paar Meilen finden lassen und deren köstliches Wasser wir direkt und ungefiltert genießen.
Nach weiteren vier mit Wandern ausgefüllten Tagen erreichen wir Etna. Etna ist ein kleines, sehr ländliches Städtchen, das ausgesprochen ‚hiker friendly‘ ist, wie man hier sagt. Für 5$ darf man im Stadtpark sein Zelt aufschlagen, die Rasensprenger-Dusche, die wir uns gönnen, ist umsonst. Das örtliche Café ist berühmt für seine ‚milkshakes with pie‘, allerdings werden der Shake und der Kuchen nicht getrennt serviert, sondern in einem großen Becher zusammen gemixt. Eine solche Lokalkuriosität lassen wir immer hungrige Hiker uns natürlich nicht entgehen, genau so wenig wie den Besuch der Brewery mit ein paar anderen Hikern. Die Nacht verbringen wir geruhsam im Park und am nächsten morgen trampen wir wieder auf den Trail zurück.
Die nächste Etappe führt uns über 120 Meilen zum lang ersehnten Ziel: Ashland, Oregon. Weil wir bemerkt haben, dass sich die Durchschnittsgeschwindigkeit der anderen Hiker langsam erhöht hat, beschleunigen auch wir unser Tempo. Die 120 Meilen wollen wir in 4 Tagen schaffen, also 30 Meilen (48 km) pro Tag. Nach 1650 Meilen haben die meisten Hiker ihre Augen jetzt ernsthaft auf Kanada fixiert. Schließlich ist das nur noch weniger als 1000 Meilen entfernt.
Wir haben aber leider nicht ganz so viel Glück beim Trampen wie sonst und müssen ca. 90 Minuten warten, bis wer vorbei kommt, der uns mit nach oben zum Trail nimmt. Wir starten also etwas verspätet und um dies wieder wett zu machen, laufen wir zügig und mit nur wenigen Pausen. Um 21:00 Uhr nach 29 Meilen kommen wir an einen See und entscheiden uns dafür, dort zu campen. Unser Zelt müssen wir im Dunkeln aufbauen, was aber nach 100 Tagen Übung und einem vollen und hellen Mond kein Problem ist.
Am nächsten morgen geht es wieder früh los, wir haben einen langen Abstieg nach Seiad Valley vor uns, ein winziger Ort am Klamath River durch den der PCT direkt durchführt. Vor dem kleinen Lädchen fläzen sich schon fast 20 andere Hiker und trinken gekühlte Getränke oder essen große Eisbecher. So viel Zeit muss auch für uns drin sein und wir setzen uns zu Julian und Annika, die wir seit Burney schon nicht mehr gesehen haben.
Am nächsten Tag steht uns einer der heftigsten Anstiege des Trails bevor: von Seiad Valley (~400m) müssen wir innerhalb von 15 km auf knappe 1400m hochsteigen. Wir lassen uns davon aber nicht beeindrucken und laufen an dem Tag trotzdem noch 29,5 Meilen. So erschöpft sind wir noch nie auf unsere Isomatten gefallen.
Am morgen danach geht es Frederik nicht gut. Er klagt über Bauchschmerzen. Was wir zunächst nur für einen mordsmäßigen Hunger halten, stellt sich im Laufe des Tages als ein echter Magen-Darm Infekt heraus. Vielleicht war das Wasser, das direkt aus dem Boden kam und das wir deshalb nicht gefiltert hatten, doch nicht ganz so genießbar? Da aber meilenweit um uns herum nur Wildnis zu finden ist, müssen wir noch über 20 Meilen (36 km) weiter wandern ehe wir an eine Straße kommen. Am Morgen überqueren aber zunächst die Grenze zwischen Kalifornien und Oregon. Nach ~1680 Meilen (2700 km) haben wir endlich den ersten der drei Staaten, die wir durchqueren, geschafft. Den Großteil der Strecke bis zu Straße schaffen wir noch am selben Tag bevor wir um 17:00 auf einem sehr schiefen Platz campen.
Am nächsten Morgen muss sich Fredi noch drei Meilen bis zur Straße schleppen. Auf dieser schmalen aber immerhin geteerten Straße ist zwar nicht viel los, aber nach einer Stunde kommt zum Glück ein Auto, das uns die restlichen paar Meilen bis nach Ashland fährt. Hier wollen wir uns erstmal auskurieren bevor wir dann Oregon in Angriff nehmen, das momentan leider von Waldbränden heimgesucht wird.

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7 Antworten

  1. Martin sagt:

    Nur noch weniger als läppische 1000 Meilen😉 ! Dann seid ihr ja bald wieder hier! Fredi gute und schnelle Besserung!

  2. Susanne sagt:

    Gute Besserung – Schade, Antonias Sandalen waren dann nicht mehr am Klamath River. Ihr scheint ja nette Begleitung gehabt zu haben, auch wenn von dieser im Video Clip “ Mammutbäume und Pacific “ wenig zu sehen und hören war – rausgeschnitten und durften nichts sagen?
    Also nochmals gute Besserung für Magen, Blasen und Stiche!!!

  3. Bettina sagt:

    Sehr beeindruckende Fotos! Schön, dass ihr immer wieder Bekannte trefft.

  4. jörg sagt:

    Ich verfolge euern PCT Verlauf aufmerksam. Bald wird der gewaltige Mt. Rainier westlich eurer Route auftauchen. Ich bitte um Fotos. Ich kenne den Berg nur von der Pazifikseite aus. Weiterhin alles gute!

  5. Verfolge Euren Blog nun schon eine Weile. Spannende Sache die ihr da macht!

    Erholt Euch gut, gute Besserung an Fredi und als alter Pilger sage ich dann mal: Ultreia!

  6. Jörg Hänze sagt:

    Ihr müsstet ja morgen (21-08) etwa im Bereich der totalen Sonnenfinsternis sein, bin schon gespannt auf den Bericht!

  7. Jörg Hänze sagt:

    Ich verfolge euern PCT Verlauf aufmerksam. Bald wird der gewaltige Mt. Rainier westlich eurer Route auftauchen. Ich bitte um Fotos. Ich kenne den Berg nur von der Pazifikseite aus. Weiterhin alles gute!

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