Oregon on fire – Von Ashland nach Cascade Locks (Meile 1716 bis 2144)

In Ashland gibt es ein Motel am Stadtrand, das einen PCT Hiker Rabatt gibt und so mieten wir uns als erstes dort ein. Wir dürfen zu Fredis Glück schon um 11:00 vormittags unseren Raum beziehen. Das Motel ist bei Hikern nicht nur wegen dem Rabatt beliebt, es liegt auch günstig direkt neben dem billigen Supermarkt und dem UPS Store. Den ersten Tag verbringt vor allem Fredi im Motelbett und ruht sich aus. Niki verbringt dem Tag damit einen Plan für die Fire Closures auszuknobeln. Es brennen nämlich drei Waldbrände in Oregon, weswegen der Trail teilweise geschlossen ist. Leider betrifft das auch den berühmten Crater Lake. Normalerweise ist das Stück Trail, das direkt oben am Rand der Kaldera entlang führt, eines der schönsten in Oregon. Eines der Feuer brennt aber nur wenige Meilen daneben und wegen dem giftigen Rauch ist genau dort der Trail geschlossen.
Außerdem müssen wir auch einen Plan für unseren Resupply entwickeln. Im weniger besiedelten Oregon und Washington ist es nämlich nicht mehr so leicht einfach vom Trail in Städte zu hitchen. Deshalb ist Ashland als der südlichste Stopp in Oregon der traditionelle Punkt auf dem Trail, von dem aus viele Hiker sich Verpflegungspakete zu den kleinen Campinglädchen und Resorts weiter nördlich senden.
Am zweiten Tag in Ashland fühlt sich Fredi zum Glück schon wieder deutlich kräftiger. Den Tag verbringen wir also mit einem Großeinkauf. Wir wollen zwei Resupply-Boxen nach Oregon und zwei nach Washington senden. Nachdem wir unsere Beute im Einkaufswagen bis zu unserem Motelzimmer gefahren haben, machen wir uns ans Verpacken und Adressieren der Pakete, bevor wir sie wieder zurück zum UPS Store fahren und von dort verschicken.
Am frühen Abend machen wir noch einen kleinen Gang durch Ashland, das, so wurde es uns gesagt, sehr schön sein soll. Wie so ziemlich alle anderen amerikanischen Städte enttäuscht aber auch Ashland in diesem Aspekt. Die Natur in den USA kann unglaublich beeindruckend sein, die Städte sind es meistens nicht.
Kurz schauen wir auch noch im Outdoor Store vorbei. Fredi muss seine ‚Darn Tough‘ Socken eintauschen, die nach 1700 Meilen nun doch Löcher bekommen haben. Dank der lebenslangen Garantie tauscht der Laden die löchrigen Socken aber ohne mit der Wimper zu zucken aus. Beim Verlassen bekommen wir von einem Angestellten noch jeder eine kalte Dose Bier mit den Worten ‚You deserved it‘ in die Hand gedrückt.
Am Tag danach geht’s vormittags wieder auf den Trail. Fredi ist wieder nahezu vollständig genesen und wir laufen entspannte zwanzig Meilen, die uns hauptsächlich durch sanfte bewaldete Hügel führen. Nach zwei Tagen kommen wir an die letzte große Straße vor Crater Lake National Park. Beim Frühstück überlegen wir, wie genau wir um die Closure herumkommen wollen. Genau dann kommen zwei andere Hiker vorbei, die uns fröhlich erzählen, dass der Park nur noch am südlichen Ende gesperrt ist, der Crater samt Lake selbst aber wieder offen ist. Anstatt ganz drumherum zu trampen, müssen erst wir kurz vor der Grenze des Parks über einen anderen Trail auf eine Straße ausweichen. Diese Straße stellt sich aber für die ersten 6 Meilen nur als eine Schotterpiste heraus, auf der kein Auto unterwegs ist. Auf den Roadwalk haben wir zwar keine Lust, aber mangels anderer Möglichkeiten machen wir uns per pedes auf den Weg ums Feuer herum. Das ganze gesperrte Gebiet zu umrunden, würde bedeuten, 15 Meilen auf Straßen zu laufen. Die ersten 10 Meilen sehen wir kaum ein Auto. Dann aber kommt uns eines entgegen, fährt erst an uns vorbei, nur um dann umzudrehen und neben uns anzuhalten. Dabei haben wir noch nicht mal den Daumen rausgestreckt. Ein älteres Ehepaar hat uns direkt als Hiker identifiziert und wusste auch sofort, wo wir hin wollten. Obwohl sie selbst gerade erst vom Crater Lake kamen, fahren die beiden uns bis zum kleinen Campinglädchen im National Park. Von hier ist der Trail nämlich wieder offen. Das nennt man hilfsbereit!
In dem teuren Lädchen müssen wir zum Glück nur zwei Tage Verpflegung kaufen, dann erreichen wir nämlich unser erstes Päckchen, das wir vorausgeschickt haben.
Crater Lake selbst ist, wie der Name schon sagt, ein See in einem Vulkankrater und sieht sehr beeindruckend aus. Steile Fels- und Geröllwände fallen tief bis zum See ab. Der Trail führt die meiste Zeit dicht an der Kante einmal um den halben See drumherum.
Nach Crater Lake wird es wieder typisch oreganisch: Der PCT ist bekannt dafür, dass er hier extrem flach und einfach zu gehen ist. 25-30 Meilen am Tag ist hier für kaum jemanden ein Problem. Die meiste Zeit laufen wir durch mehr oder weniger dichten Wald und nur hin und wieder lichtet sich dieser und wir können einen seltenen Blick auf die vereinzelten hohen Berge ergattern.
Nach zwei Tagen kommen wir in Shelter Cove an, einem kleinen Resort an einem hübschen See. Hier tummeln sich schon einige andere Hiker, die dem kleinen Restaurant ordentlich Umsatz verschaffen. Kurz nach Shelter Cove kreuzt der PCT auch den letzten größeren Highway, bevor er wieder wegen einem Forest Fire geschlossen ist. Einige Meilen nach diesem Waldbrand kommt dann auch schon die nächste Fire Closure. Vor uns ist der Trail somit an zwei verschiedenen Stellen geschlossen und dazwischen liegen nur 28 begehbare Meilen. In dieser Situation entscheiden wir uns für den langen Hitch: Von hier aus einmal im großen Bogen um beide Waldbrände auf einmal drumherum trampen, um dann wieder in Ruhe und ohne sich ständig über Closures Gedanken machen zu müssen, weiterzulaufen.
Am nächsten Morgen wandern wir also zum Highway und strecken unsere Daumen raus. Es dauert fast 90 Minuten bis ein älterer Rentner und mitnimmt und uns von den Backpacking-Trips seiner Jugend erzählt. Das ist aber nicht das einzige Auto, in das wir steigen. Wir brauchen insgesamt zehn Stunden und sechs verschiedene Autos, bis wir wieder auf dem PCT stehen. Von hier aus sind es nur noch wenige Tage um den Mt Hood herum bis zum letzten Stopp in Oregon: Cascade Locks am Columbia River.

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