The Bridge of the Gods – Von Cascade Locks bis White Pass (Meile 2144 bis 2292)

An dem Trailhead, bei dem wir nach den Waldbränden schließlich abgesetzt werden, entdecken wir einen Anschlag an dem Informationsbord, die dort üblicher Weise stehen: „Attention PCT Thru-Hiker“. Zwei Trailangel machen Werbung dafür, dass sie morgen an der Lollo Pass Road um 17:30 sein werden und alle Hiker, die dann auch dort sind, für eine Dusche, Wäsche waschen und gutes Essen mit sich nach Hause nehmen werden. Vom Trailhead sind es noch 30 Meilen bis zur besagten Straße. Wir machen also noch ein paar mehr Meilen, bevor wir irgendwo im Wald einen Platz fürs Zelt finden.
Am nächsten Vormittag kommen wir erstmal zur berüchtigten Timberline Lodge. Auf dem PCT ist diese Nobel-Lodge, vor allem deshalb berühmt, weil sie ein All-You-Can-Eat Breakfast Buffet anbietet, wo sogar dreckige Thru-Hiker reindürfen und sich quasi direkt auf dem Trail befindet. Das Essen sieht zwar verlockend aus, aber weil wir zur Abwechslung mal mehr als genug Essen dabei haben und uns die 16$ + Steuer und Trinkgeld pP auch zu teuer sind, setzen wir uns einfach vor der Lodge in die Liegestühle, nutzen das offene Wifi und essen unser eigenes Trail-Frühstück.
Nach der Timberline Lodge müssen wir uns durch Horden von Tages- und Wochenendwanderern schlagen, die wahrscheinlich alle wegen der Sonnenfinsternis in die Natur gefahren sind und jetzt den PCT verstopfen. Trotz dieser Hindernisse schaffen wir es um 17:45 tatsächlich bis zum Lollo Pass. Als wir dort eintreffen stehen schon drei andere Hiker und die beiden Trailangel bereit zur Abfahrt um einen kleinen Pick-Up Truck herum. Zwei Hongkonger und ein Schwede sind ebenfalls zur richtigen Zeit angekommen. Rucksäcke und Hiker werden auf die Ladefläche geworfen und ab geht’s zu Lucy und Jeff nach Hause. Es ist nicht das erste mal, das sie Hiker in ihr Haus einladen. Sie selbst sind Teile des PCT gelaufen und weil sie dabei in den Genuss von so viel Trailmagic kamen, wollen sie jetzt selbst etwas für Hiker tun. Und so bringen die beiden ab und zu ein paar hungrige und schmutzige Hiker zu sich nach Hause. Es wird ein geselliger Abend mit viel Bier und Spagetti. Am morgen kriegen wir alle noch Frühstück gekocht und werden dann wieder zurück zum Trail geshuttlet.
Wegen dem späten Start schaffen wir es nur bis kurz vor Cascade Locks, das direkt am Columbia River liegt, dem Grenzfluss zwischen Oregon und Washington. Kurz vor Sonnenuntergang entdecken wir einen super Campspot oben auf einem Bergkamm mit Blick auf den River und Washington auf dessen anderen Seite. Der nächste Tag ist dann nur kurz für uns. Wir laufen acht Meilen nach Cascade Locks und gönnen uns erstmal ein herzhaftes amerikanisches Frühstück. Wie so oft in den Trailtowns verbringen wir dann den Tag damit vor einem offenen Wlan-Netz zu sitzen und unsere elektronischen Geräte aufzuladen. In Cascade Locks treffen wir auch den Koreaner This Way wieder, den wir seit ca. 1500 Meilen nicht mehr gesehen haben.
Am Nachmittag brechen wir dann wieder auf, um den beeindruckend breiten Columbia River auf „The Bridge of the Gods“ zu überqueren. Diese Brücke, die in den letzten Staat führt, die der PCT durchquert, ist ein ähnlich ikonischer Meilenstein des Trails wie Forester Pass oder Crater Lake. Von hier sind es nur noch 514 Meilen bis nach Kanada. Die Brücke selbst ist gerade breit genug, das zwei Autos aneinander vorbei passen. Einen Bürgersteig gibt es nicht. Wir müssen also hintereinander auf der Gegenfahrbahn laufen. Die Autos, die uns entgegenkommen, machen zum Glück genügend Platz und winken uns meisten auch aufmunternd und freundlich zu. Als wir auf der anderen Seite ankommen, sind wir in Washington.
Am nächsten Morgen ist der 21.08. und damit die lang erwartete Sonnenfinsternis. Wegen den Waldbränden und unserer Umfahrung derselben sind wir leider gerade so aus der totalen Zone rausgekommen. Einige Dutzend Meilen weiter südlich würden wir noch mit Millionen anderen Leuten, die alle dafür angereist sind, eine totale Sonnenfinsternis erleben. So haben wir nur eine 98-99 prozentige Totalität. Pünktlich zu Beginn des astronomischen Ereignisses kommen wir auf oben auf einem kleinen Gipfel an, auf dem es sich schon sechs andere Hiker bequem gemacht haben. Zum Glück haben die auch die Spezialbrillen, mit denen man in die Sonne gucken kann, wir haben nämlich vergessen, uns welche zu besorgen. Während also die Brillen kreisen, können wir beobachten, wie sich der Mond immer weiter vor die Sonne schiebt, bis schließlich nur noch eine verschwindend dünne Sichel von ihr übrig bleibt. Man merkt, dass es deutlich kälter wird und man fängt ohne Jacke an, zu frieren. Auch dass es dunkler ist, ist bemerkbar, wenn auch nicht sehr.
Nachdem das Spektakel dann vorüber ist, geht’s wieder ans Wandern. Die Landschaft bleibt fast wie in Oregon. Bäume bedecken so gut wie alles, es ist jetzt nur sehr viel bergiger geworden und es geht ständig auf und ab. In der dritten Nacht nach Cascade Locks treffen wir abends am Blue Lake auf eine Persönlichkeit, von der wir schon viel gehört hatten: Mom von mama-wandert.com. Mit dieser redseligen Mama und zwei weiteren Mitgliedern der ‚Pinky Gang‘ campen wir auf derselben Campsite und verbringen den Abend gemeinsam am Lagerfeuer.
Am nächsten Tag erreichen wir den Fuß von Mt Adams, an dessen Schulter wir bis zu Baumgrenze aufsteigen. Wir haben tolle Blicke auf die riesigen Gletscher, die sich den Berg hinunterwinden.
Am Tag danach überqueren wir den ~2000 m hohen Cispus Pass und ab hier wird’s richtig schön. Wir sind jetzt ein gutes Stück über der Baumgrenze und laufen durch grüne Bergwiesen, die mit wilden Blumen jeglich erdenklicher Farbe gesprenkelt sind. In der ferne können wir drei der höchsten Berge Washingtons (und der USA) aufragen sehen: Mt Adams, Mt St Helens und Mt Rainier. Der Trail führt schließlich über einen abenteuerlichen Grat, der zu beiden Seiten steil abfällt: Knife’s Edge wird er passender Weise genannt. Von hier hat man einen spektakulären Blick nach Norden und Westen. Tiefe Täler reihen sich so weit das Auge reicht aneinander, im Westen dominiert Mt Rainier das Sichtfeld, der sich zu einer sehr beeindruckenden Größe auftürmt. Am Nachmittag steigen wir wieder vom Grat ab und campen schließlich acht Meilen vor White Pass, unserem ersten Stopp in Washington. In guten fünf Tagen haben wir 150 Meilen (240 km) zurückgelegt.

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2 Antworten

  1. Susanne sagt:

    Das sind ja tolle Fotos und ein toller Bericht – alles Gute weiterhin in Washington – und neben Sonnenfinsternis habt Ihr auch noch die weitere Begegnung gehabt – le monde est petit et il n y a Quelle les montagnes qui ne se rencontrent pas – good travel home and take care – wir sind auf dem Weg nach Südamerika

  2. Susanne sagt:

    que statt Quelle

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